Thomas Bernhard Chatbot
Man kann Thomas Bernhard nicht mehr fragen, was er von der Welt hält. Im Wiener Literaturmuseum kann man es trotzdem versuchen.
Thomas Bernhard (1931–1989) zählt zu den wichtigsten Schriftstellern der österreichischen Nachkriegsliteratur. Er schrieb Romane wie „Frost“, „Korrektur“ und „Auslöschung“ sowie tragikomische Theaterstücke, und er schrieb in einer Sprache, die in ihrem Sog aus Wiederholungen, Steigerungen und Übertreibungen unverwechselbar ist. In seiner Heimat galt er als „Nestbeschmutzer“ und Meister des Beschimpfens, international gilt er längst als Autor von weltliterarischem Rang: Seine Werke sind in über vierzig Sprachen übersetzt.
Die Sonderausstellung „Dem Stumpfsinn die Geisteskappe aufsetzen“. Thomas Bernhard heute der Österreichischen Nationalbibliothek zeigt seit 30. April 2026 Manuskripte, Briefe, Fotografien und Fundstücke aus dem Nachlass, der seit 2023 an der ÖNB liegt. Neben Originalmöbeln und Typoskripten setzt die Schau auf spielerische Zugänge: ein Städtebeschimpfungsquiz, eine Station zum Bauen eigener Bernhard’scher Komposita, Playlists internationaler Autor:innen und den Thomas Bernhard Chatbot.
Der Chatbot wurde für die Ausstellung konzipiert und beschäftigt sich mit der Frage, wie Künstliche Intelligenz Literatur hervorbringt. BILDWERK war für die technische Umsetzung zuständig. Konzept und Gestaltung der Station lagen beim Museum.
Dem Bernhard-Bot gegenüber
Besucher:innen stellen dem Chatbot Fragen und bekommen Antworten, die Rhythmus, Wiederholungen und Tonfall von Bernhards Prosa nachbilden. Grundlage ist die gesammelte Prosa des Autors. Die Antworten fallen entsprechend böse aus: Auf die Frage, warum wir leben, liefert die Maschine eine ausgewachsene Tirade über Gewohnheit, Feigheit und Vorsichtsmaßnahmen fürs Sterben. Wie stark der Bernhard-Ton ausfällt, lässt sich in Stufen einstellen.
Ist Bernhards Stil so leicht zu imitieren, wie oft behauptet wird? Und was unterscheidet eine Maschine, die Sätze baut, von einem Menschen, der schreibt? Der Chatbot macht diese Fragen erfahrbar: Wer ihn benutzt, merkt schnell, was ihm gelingt und woran er scheitert.
Was sagt Thomas Bernhard zu Bildwerk?
Gallerie
Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek
„Dem Stumpfsinn die Geisteskappe aufsetzen“. Thomas Bernhard heute
- April 2026 bis 21. Februar 2027
Literaturmuseum der ÖNB, Johannesgasse 6, 1010 Wien
Jürgen Haghofer, Bildwerk
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